Wariró – Wir brauchen eure Hilfe!

22/10/2014 by

Brandstifter zerstörte indigenes Kulturzentrum unser Partnerorganisation FOIRN. Klimabündnis startet Spendenaktion.

(c) FOIRN

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Am 9. Juni 2014 brannte das „Haus der Indigenen Kultur“ in São Gabriel da Cachoeira, am Oberen Rio Negro, fast vollständig nieder. Neben dem Verkauf des Kunsthandwerks fanden im Haus auch Schulungskurse und Treffen statt. Weiters diente es als Stützpunkt für die indigenen Organisationen aus dem Landesinneren und als Unterkunft bei Veranstaltungen.

Für die indigene Bewegung bedeutet dieses Ereignis viel mehr als den Verlust eines Hauses. Die Errichtung 2006 war ein Meilenstein im Kampf um die Anerkennung der indigenen Kultur, die mit Jahrtausende altem Wissen und Traditionen bis heute Widerstand leistet.
Die FOIRN will das Kulturzentrum wieder errichten und hat die Klimabündnis-Mitglieder in Österreich um Hilfe gebeten.

Lesen Sie mehr im Folder.

(c) FOIRN

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Wie können Sie helfen?

  •   Informieren Sie Ihre BürgerInnen, MitarbeiterInnen, KundInnen, KollegInnen und SchülerInnen über die Spendenaktion
  • Starten Sie eine Wariró-Spendensammlung – z.B. als alternative Geschenke zu Weihnachten, Geburtstag oder Jubiläum
  •   Nutzen Sie unser Vortragsangebot – unser Amazonasexperte Johann Kandler erzählt bei Ihnen die Geschichte vom Rio Negro und von Wariró

Unterstützen Sie die Klimabündnis-Partnerorganisation FOIRN mit Ihrer Spende!

Die Beiträge sind steuerlich absetzbar.

Empfänger:                  HORIZONT3000/Klimabündnis Österreich
IBAN:                            AT35 1919 0000 0023 8394
BIC:                              BSSWATWW
Verwendungszweck:    Solidaritätsfonds FOIRN – Wiederaufbau Wariro

Vielen Dank schon im Voraus.

Indigenes Kunsthandwerk

22/10/2014 by

Die Kunst spielt auch bei unseren PartnerInnen am Rio Negro eine große Rolle. Seit einigen Jahren werden kunstvoll geflochtene Korbwaren, Schmuck u.v.m. im Kunsthandwerkszentrum Wariró in São Gabriel da Cachoeira vermarktet. Rechtsträger ist die FOIRN. Die Geschäftsführung nimmt Bestellungen auf, leitet sie an die ProduzentInnen weiter, empfängt und liefert die Waren, erhält die Bezahlung und gibt sie weiter, bzw. finanziert sie nach Möglichkeit vor. Sie berät und unterstützt die ProduzentInnengruppen und führt Schulungskurse durch.

Für die Produkte werden Pflanzenfasern und natürliche Farbstoffe aus der Region verarbeitet.

(c) FOIRN

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Von Körben bis zum Blasrohr mit Pfeilen

  •  Urutu: Diese Körbe werden für den Transport und die Aufbewahrung von Maniokwurzeln, Bananen, etc. verwendet.
  •   Tipiti: Schlauchartiger Behälter zum Auspressen der geriebenen Maniokmasse.
  •   Ritualbank: Kleine Bank, die bei Festen und Zeremonien des Tukano Volkes verwendet wird.
  •   Blasrohr mit Pfeilen: Männer verwenden traditionell bei der Jagd Blasrohre mit Pfeilen.

Infos & Fotos

Was ist die FOIRN?

22/10/2014 by

Im Juni 2014 war die 1. Präsidentin der FOIRN, Almerinda Ramos de Lima, in Österreich.

Wer oder was ist die FOIRN? logo_foirn

Kurz: Der Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro.

Länger: Der Zusammenschluss der lokalen Vereine indigener Gemeinschaften und Gruppen (Frauen) im brasilianischen Anteil des Rio Negro Gebietes. Es ist ein privater und gemeinnütziger Verein, ohne politische und religiöse Bindungen. Der Sitz befindet sich in São Gabriel da Cachoeira im Bundesstaat Amazonas, Brasilien.

Landrechte als Gründungsmotiv

Die indigenen Völker vom Rio Negro haben 1987 angesichts massiver militärischer und wirtschaftlicher Interessen die FOIRN gegründet, um sich gemeinsam für die Anerkennung (Landrechte) der indigenen Territorien durch die brasilianische Regierung entsprechend der Bundesverfassung einzusetzen und die Verwirklichung eines umfassenden regionalen Entwicklungsprogramms voranzutreiben.

Organisation & Aufbau der FOIRN

Oberstes Gremium der FOIRN ist die Vollversammlung, bestehend aus Delegierten der rund 90 Mitgliedsorganisationen. Diese wählen den ‚Conselho diretor‘ (Direktionsrat) mit insgesamt 25 Mitgliedern und die ‚Diretoria‘ (Direktorium, Vorstand), bestehend aus fünf Personen, für eine vierjährige Amtsperiode. Der Vorstand untersteht dem Direktionsrat und ist mit der Repräsentation, Durchführung der Programme und Projekte, sowie der Verwaltung beauftragt. Der Direktionsrat trifft sich ein- bis zweimal jährlich.
Das Gebiet ist in fünf Subregionen unterteilt, jedes Vorstandsmitglied ist für eine davon zuständig. Jede Region wählt eine Koordinierungsgruppe und eine/n KoordinatorIn, die für die regionalen Aktivitäten verantwortlich sind. Die FOIRN beschäftigt etwa 15 Personen. Es gibt Abteilungen für Frauen, Jugend und indigenes Bildungswesen, die Buchhaltung, das Sekretariat und das Lager.

Verhandlungs- & Vertragspartner

Die FOIRN ist nicht die Vertretung der indigenen Völker (die mehr oder weniger noch traditionelle Hierarchien haben), sondern die der indigenen Organisationen. Ihre Gründung als juristische Person war die Voraussetzung, um als Vertretung indigener Interessen von staatlichen und anderen Einrichtungen als Verhandlungs- und Vertragspartner akzeptiert zu werden. Aufgrund der institutionellen Stärkung, auch infolge der Partnerschaft, ist die FOIRN eine der anerkanntesten indigenen Organisationen und nimmt in verschiedensten Gremien teil.

Direktorium (c) FOIRN

Direktorium
(c) FOIRN

Ö1-Beitrag über Peru-Reise

11/09/2014 by

Edith Bachkönig hat für Ö1 im Rahmen von „Wissen aktuell“ einen Beitrag über die Klimabündnis-Reise nach Peru gestaltet.

Ö1-Beitrag zum Anhören: Bedenklicher Goldabbau in Peru?

Die Suche nach Gold ist seit jeher oft mit Not und Leid verbunden; auch heute wird Gold nach wie vor teilweise unter bedenklichen Bedingungen abgebaut. Eine Delegation von acht Klimabündnis-Organisationen hat daher diesen Sommer die größte Goldmine Südamerikas besucht, die Yanacocha-Mine in Peru. Im Norden der Anden wird das Rohgold auf 3.500 Metern aus dem Boden geholt, das geschieht hinter hohen Zäunen und gut bewacht.
Gestaltung: Edith Bachkönig
IP: Emil Benesch, Umweltaktivist vom Klimabündnis Österreich

Im Schlagschatten des Wachstums – Die Welt vergreift sich am Amazonas

16/07/2014 by

Von der Demonstration zur Unterstützung der Bäuerin Dona Máxima geht es direkt in den Pfarrsaal der Stadt Celendín. Dort begrüßt uns der ehemalige Priester und Symbol des Einsatzes für Menschenrechte und den Erhalt der Lebensgrundlagen Marco Arana mit den Worten:

„Wir brauchen eine neue Welt, eine bessere Welt. Der Besuch der Klimabündnis-Delegation ist ein Schritt in diese Richtung.“

Wie dringlich der Wandel ist zeigen weitere Wortmeldungen. Der Gymnasiallehrer Julio Castaneda Sanchez präsentiert Auswirkungen der Bergbau-Projekte. „Wenn du das Wasser trinkst, wirst du nicht gleich daran sterben,“ hat ihm ein Techniker zum Wasser das die 200.000 EinwohnerInnen der Stadt Cajamarca trinken, gesagt. Der Lehrer ergänzt: „ An den vom Goldbergbau verschmutzten Flüssen haben die Menschen schon Schwermetalle wie Quecksilber im Blut. Danach fließen die Flüsse weiter nach Amazonien und spülen ihre giftige Fracht in den Amazonas. „Pass auf dein Wasser auf, oder du wirst noch deine eigenen Tränen trinken“, lautet die Botschaft auf der letzten Seite der Power Point Präsentation von Castaneda Sanchez.

Weitere 18 Bergbauprojekte sind geplant

Wie wenn ein Großprojekt nicht schon mehr als genug wäre, plant das Ministerium für Mienen und Energie neben Yanacocha und Conga noch 18 weitere Bergbauprojekte. Da neben Platz- und Wasser- auch der Energieverbrauch im Bergbau gigantisch ist – alleine die Yanacocha Miene verbraucht doppelt so viel Energie wie die 700.000 EinwohnerInnen zählende Stadt Trujillo – soll jetzt der Zugriff auf den Fluss der Flüsse erfolgen. Am Amazonas plant Peru die Errichtung von 20 Staukraftwerken. Mit dabei wieder ein internationaler Konzern, die brasilianische Baufirma Odebrecht, zuletzt mit dem Bau von brasilianischen WM Stadien in der Kritik.

Neben Yanacocha und Conga sind noch 18 weitere Bergbauprojekte in Planung.

Neben Yanacocha und Conga sind noch 18 weitere Bergbauprojekte in Planung.

Die Vorgangsweise erinnert an jene bei den Mienenprojekten. „Wir sollen unser Land hergeben, damit es bis zu 60 m tief unter Wasser gesetzt werden kann. Die Baufirma zahlt Leute, um uns, die wir weiter von unserem Land leben wollen, schlecht zu machen. Wir Betroffenen haben keine Möglichkeit im Radio zu sprechen. Auf die Radiostation wurde Druck ausgeübt, ihr ist mit der Schließung gedroht worden,“ erzählt ein Bauer unter Tränen. Eine Frau im Publikum ergänzt: „Wir haben keine Gerechtigkeit, die Behörden arbeiten für die großen Firmen.“

Wir fragen uns: Und wer kontrolliert die großen Firmen? So wie es ist, kann es nicht bleiben.

Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass in den Monaten vor der UN Weltklimakonferenz in Perus Hauptstadt Lima sichtbar wird, welche tödlichen Spuren entfesseltes Wirtschaftswachstum und zügelloses Gewinnstreben ziehen. Damit sich was ändert.

Für das Klimabündnis Österreich berichtet Emil Benesch im Rahmen des Europe Aid Projektes „From Overconsumption to solidarity“ aus Peru.

Das Klimabündnis mit der Bäuerin Dona Máxima vor Gericht

15/07/2014 by

Heute ist ein besonderer Tag. Wir frühstücken um 5:30 und fahren um 6:00 noch im Dunkeln per Bus ab. Wir wollen rechtzeitig ankommen und Dona Máxima bei ihrem heutigen Gerichtstermin um 10:00 in der Stadt Celendin begleiten. Der Staat Peru geht im Einvernehmen mit dem Goldbergbauunternehmen Janachocha gegen die Bäuerin Dona Máxima vor. Regelmäßige Vorladungen vor Gericht, mehrfache Anklagen wegen des gleichen behaupteten Vergehens.

So wie Dona Máxima ergeht es hunderten Menschen in Peru, die sich für den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzen. Zuerst werden sie Opfer von Großprojekten, dann von gezielter Gewalt. Im nächsten Schritt werden die Opfer selbst kriminalisiert.

Das soll die Protestbewegung lähmen. Laut der nationalen Koordination für Menschenrechte sind in den vergangenen 3 Jahren 41 Menschen, die an Demonstrationen teilgenommen haben, getötet worden. Die Mörder blieben straffrei, keine einzige Verurteilung liegt vor. Ein Gesetz der peruanischen Regierung schützt Polizisten, die töten, vor Straffverfolgung. Ich frage mich: Wer schützt die Bevölkerung? Menschen, wie Dona Máxima, sind in Peru in Lebensgefahr. In dieser Situation sind Zeichen der Solidarität und internationale Aufmerksamkeit bedeutsam, sie können helfen und Schutz bieten.

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Wir sind da, um in unseren 8 Heimatländern zu erzählen, was passiert. Wir das sind zum Beispiel Andras, der Videojournalist aus Budapest, Jacob, der Fotograf aus Dänemark, Gerard und Christian, Vertreter luxemburgischer Städte, Nikolaus, Abgeordneter zum slowakischen Parlament, Klaus vom Planungsamt der Stadt Aachen und Adeilson, in Vertretung unserer Partner FOIRN aus Brasilien.

Vor dem Gerichtsgebäude angekommen, erfahren wir, dass wir nicht hinein dürfen. Während sich Dona Máxima, in Begleitung ihrer Anwältin für angebliche Vergehen rechtfertigen muss, beobachten wir Vorbereitungen für eine Demonstration. „Agua si, oro no“, wird von Einheimischen im Chor vor dem Amtsgebäude gerufen. Zu lesen ist „Gerechtigkeit für Máxima“.

Schließlich wird die angeklagte Dona Máxima mit großem Applaus empfangen. Wenig später wird sie ein Transparent halten auf dem zu lesen ist: „Danke den Brüdern und Schwestern aus Europa für ihre Unterstützung“. Der heutige Gerichtstermin hat keine Entscheidung gebracht. Aber der Vormittag hat gezeigt wie wichtig es ist global über den Tellerrand zu blicken, für einen Weg zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft.  

Die Wände der Häuser sind mit Bekundungen für den Erhalt der Lebensgrundlagen und gegen den Goldbergbau bemalt.

Für das Klimabündnis Österreich berichtet Emil Benesch im Rahmen des Europe Aid Projektes „From Overconsumption to solidarity“ aus Peru.

Gold – ein bleibender Wert?

14/07/2014 by

Im Rathaus von Cajamarca werden wir nicht vom Bürgermeister empfangen. Dieser wurde zur Zentralregierung nach Lima gerufen. Dort geht es angeblich um ein Projekt zur Wasserversorgung der Stadt. Die Rede ist von einem Dammbau. Der Vizebürgermeister erzählt uns indessen von den Herausforderungen: „Seit dem Beginn des Goldbergbaus hat die für die Stadt verfügbare Wassermenge stark abgenommen.“

Wenn es nicht regnet, fehlt noch mehr Wasser. Das Zerstören der Lagunen in denen die Flüsse ihren Ausgang nehmen und die Verschmutzung des Trinkwassers wird beklagt. „Die soziale Verantwortung des Bergbauunternehmens Janacocha manifestiert sich nicht in adäquater Form,“ sagt der Vizebürgermeister. Die Zahlen bestätigen diese Einschätzung.

Cajamarca liegt gleich in 3 Kategorien an 1. Stelle in Peru. Bei der Unterernährung von Kindern, der Kindersterblichkeit und in Sachen Analphabetismus.

Nach 20 Jahren Goldabbau in der Region. Dabei hat der peruanische Staat gemäß der „Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz“ allein im Jahr 2012 Gold im Wert von 9,5 Milliarden US Dollar exportiert. Davon ist in der Region nicht viel zu sehen. Für die Bevölkerung von Cajamarca hat Gold keinen bleibenden Wert.

Die Klimabündnis-Delegation im Dialog mit dem Vizebürgermeister von Cajamarca.

Die Klimabündnis-Delegation im Dialog mit dem Vizebürgermeister von Cajamarca.

Für das Klimabündnis Österreich berichtet Emil Benesch im Rahmen des Europe Aid Projektes „From Overconsumption to solidarity“ aus Peru.

Unterschiedliche Wahrnehmungen des Goldabbaus

11/07/2014 by

Ein Treffen mit Vertretern der „Camera de Commercio“ läuft schmerzhaft, jedoch überaus höflich ab. Niemand schreit auf. Mit viel Geduld hören wir uns haarsträubende Wortmeldungen an. Probleme orten die 7 Vertreter der örtlichen Handelskammer an unerwarteten Stellen. Viel zu klein seien die bäuerlichen Betriebe. Und die meisten kritischen Menschen der Region hätten alle nicht genug Bildung und keine Ahnung, sodass sie Gutachten über die Auswirkungen von Janacocha ohnehin nicht interpretieren könnten. Weswegen diese Informationen auch gar nicht zu sehr veröffentlicht werden bräuchten. Das Absprechen von Menschenrechten nimmt Holger Matthäus, Senator für Infrastruktur der Stadt Rostock und Vorstandsmitglied von Klimabündnis Europa zum Anlass darzulegen, wie Bürgerrechte in Behördenverfahren in Deutschland gesichert werden.

„Landwirtschaft und Goldbergbau sind gut nebeneinander möglich“, heißt es von Seiten der lokalen Wirtschaft.

„Wir dürfen das Wasser weder verschwenden noch verschmutzen.“ Zitat und Bild von Papst Franziskus in der Auslage eines Käse und Milch Geschäftes von Cajamarca.

„Wir dürfen das Wasser weder verschwenden noch verschmutzen.“ Zitat und Bild von Papst Franziskus in der Auslage eines Käse und Milch Geschäftes von Cajamarca.

Was in den entstehenden Kratern, auf einer Abraumhalde, oder den vergifteten Böden geerntet werden soll, wollte niemand näher ausführen. Das Highlight des Besuches war ein 20 minütiger Monolog eines Arztes über die wirtschaftliche Entwicklung Perus und das jährliche Wirtschaftswachstum von 5%. Dem Mediziner, der für den Mienenbetreiber Janacocha arbeitet, gelang das Kunststück nicht einmal über die gesundheitlichen Auswirkungen der Zyanid und Schwermetallbelastung auf die Arbeiter in den Goldmienen zu sprechen. Dafür wurden große Fortschritte in Cajamarca in den Raum gestellt.

Ich frage mich: Welche Fortschritte? Gemäß Human Development Index ist Cajamarca von 23 Regionen die 2 ärmste in Peru. Nach 20 Jahren Goldabbau.

Für das Klimabündnis Österreich berichtet Emil Benesch im Rahmen des Europe Aid Projektes „From Overconsumption to solidarity“ aus Peru.

Gold – Gift für das Leben – das Beispiel der Goldmiene von Janacocha

10/07/2014 by

Was bedeutet Goldbergbau in Peru? Morgens um 7 Uhr brechen wir mit einem Bus in Richtung Janacocha auf. Wir haben über die riesige Goldmiene von lokalen Organisationen schon viel Unglaubliches gehört.

Begonnen hat alles vor 20 Jahren. In einer ländlichen Region, wo die Menschen von Milchwirtschaft und dem Anbau von Feldfrüchten wie Erdäpfeln und Quinoa ganz ohne Bergbautradition lebten. Dann werden über die Köpfe der BewohnerInnen der Region hinweg  in der fernen Hauptstadt Lima von der Regierung Konzessionen für den Bergbau vergeben. Mit der Konzession in der Hand macht sich das Bergbauunternehmen daran, die Bevölkerung zum Verlassen der Region zu bewegen. Der internationale Bergbaukonzern zahlt anfangs 100 Soles für 1 ha Land. Das sind 25 Euro. Die Konsequenz: Ehemalige Grundbesitzer und ihre Familien können sich keine neue Existenz aufbauen und landen auf den Straßen der Stadt Cajamarca. Wen kümmert´s? Sind die Menschen weg, wird das Gestein abgebaut.

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Wasserknappheit und vergiftetes Wasser

Bis zu 660 m tiefe riesige Löcher entstehen. Das Gesteinsmaterial wird ein paar Kilometer weiter zu riesigen Pyramiden aufgeschüttet. Mit einem Gemisch aus hoch giftigem Zyanid und Wasser überschüttet, löst sich pro Tonne Gestein 1g Gold. Das Unternehmen Yanacocha benötigt für diesen Prozess 250.000 l Wasser – pro Stunde. Wasser, das den BewohnerInnen der Region, darunter den 200.000 EinwohnerInnen der Stadt Cajamarca fehlt. Die durch den Goldbergbau ausgelöste Wasserknappheit führt dazu, dass aus den Wasserleitungen nur an 12 Stunden am Tag Wasser fließt.

Neben Zyanid gelangen auch Schwermetalle wie Blei und Arsen in die Umwelt in 3500 m Höhe. Durch die Schwerkraft gelangen die Schadstoffe früher oder später in die unter der Miene liegenden dicht bevölkerten Täler. Da die Wasseraufbereitungsanlage des Trinkwassers von Cajamarca auf die Reinigung organischer Verunreinigungen ausgelegt ist, trinken die Menschen der Stadt seit 20 Jahre durch den Goldabbau belastetes Wasser. Die Giftstoffe aus dem Goldbergbau finden sich mittlerweile auch in der Milch.

„Milch von Kühen, die auf der Hochfläche rund um Jamacocha weiden enthält Arsen und Blei. Nestlé hat den Zukauf von Milch aus der Region Cajamarca eingestellt“,  erzählt Studentenvertreter Eber – er studiert Veterinärmedizin

Die Vergiftung der landwirtschaftlichen Grundlagen betrifft viele: 55,4 % der Menschen der Region leben von der Landwirtschaft. „La madre terra, la Pachamama es en perigo.“ Mutter Erde, die Pachamama ist in Gefahr.

Für das Klimabündnis Österreich berichtet Emil Benesch im Rahmen des Europe Aid Projektes „From Overconsumption to solidarity“ aus Peru.

„Da habe ich zu weinen begonnen“ – die Geschichte von Dona Máxima

09/07/2014 by

In Cajamarca auf 3000 m Höhe in den Anden Nord Perus angekommen, treffen wir Laura, von der Organisation „Ingenieure ohne Grenzen“, die Rechtsanwältin Myrte und Dona Máxima.

Sie erzählt uns ihre Geschichte.

Dona Máxima hat im Zuge der Landreform der 70 er Jahren ein eigenes kleines Stück Land in der Region Cajamarca bekommen. Darauf hat sie ein kleines Häuschen gebaut, hier lebt sie mit ihrer 7 köpfigen Familie. Auf ihrem Land baut sie Erdäpfel und Mais an, hat Milchkühe, Schafe und Hühner. So ernährt sie ihre Familie und finanziert sie den Schulbesuch ihrer Kinder und das Studium einer Tochter.

2011 hat sich alles geändert. Da standen eines Tages Vertreter einer Bergbaufirma gemeinsam mit Polizisten vor dem Haus. „ Sie sagten mein Land würde der Bergbaufirma Janacocha gehören. Meine Dokumente wollten sie gar nicht sehen, die interessierten sie nicht. Stattdessen haben sie begonnen die Begrenzungssteine meines Grundstückes wegzuräumen. Dabei haben sie keinen Beweis vorlegen können, dass das Land ihnen gehört.“ Dona Máxima wollte den Vorfall den Behörden melden. Nach 7 Stunden Fußmarsch kommt sie um 8 Uhr abends bei der zuständigen Polizeistation an. Die Polizeistation hat nicht geöffnet. Nach einer erzwungenen Übernachtung, sperrt die Station tags darauf um 9 Uhr auf.

Dona Máxima: „Die Polizisten haben erklärt, sie wären beschäftigt und haben mich noch 4 Stunden warten lassen. Dann haben mir die Polizeibeamten erklärt, mein Land gehöre der Bergbaufirma, ich würde es stehlen wollen. Sie haben mich als Diebin beschimpft. Ich habe trotzdem meine Anzeige eingebracht.“

Eines Morgens um 6 Uhr früh erschienen 100 Polizisten und Mienenvertreter vor Dona Máximas Haus. Zuerst versuchen sie Dona Máxima zu einer Unterschrift zu bewegen und die Bergbaufirma als Eigentümerin ihres Landes auszuweisen. „Ich habe mit Dokumenten bewiesen, dass das Land mir gehört und die Unterschrift verweigert. Dann haben sie begonnen, alles zu verbrennen. 6 Polizisten haben mich gehalten und verprügelt. Ich habe zu weinen begonnen, sie haben alles angezündet. Meine Tochter hat versucht mit dem Handy zu filmen, was passierte. Dann wurde auch sie verprügelt, sie musste sogar ins Spital. 4 Polizisten haben gedroht, meinen Sohn zu erschießen. Mein Mann wurde mit Tränengas gefoltert. Unsere Tiere wurden gestohlen oder getötet, unser Hund von einem LKW überfahren.“

Der Polizeiaktion nur mit dem nackten Leben entkommen erhält die Familie am nächsten Tag Besuch. „Ich habe gedacht der Staatsanwalt wäre gekommen, um uns zu helfen und für Gerechtigkeit zu sorgen. Dann hat er erklärt, ich hätte der Miene das Land gestohlen. Schlussendlich wurde ich von einem Richter in Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft zu 3 Jahren Gefängnis und zu einer Strafe von 4000 Euro verurteilt. Als Entschädigung für den Schaden den ich der Bergbaufirma zugefügt hätte.“ Anwälte haben Einsprüche eingebracht. Demnächst gibt es einen weiteren Gerichtstermin. Die Klimabündnis-Delegation aus Europa wird vor Ort dabei sein.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Für das Klimabündnis Österreich berichtet Emil Benesch im Rahmen des Europe Aid Projektes „From Overconsumption to solidarity“ aus Peru.


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