Archive for the ‘Delegation an den Rio Negro’ Category

Die Herausforderungen der Indigenen heute

30/03/2013

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Die Klimabündnis Partner FOIRN am Rio Negro stehen weiterhin vor großen Herausforderungen. 1998 hat die Indigenen Organisation zwar die Landrechte für 11 Mio Hektar am Oberen Rio Negro erhalten. Dennoch fehlen nach wie vor die Landrechte für den Mittleren und Unteren Rio Negro. Die brasilianische Regierung hat kein politisches Interesse den Indigenen die Rechte zu erteilen, obwohl diese bis zu 90% der Bevölkerung in der Region ausmachen. Mit nur 0,2% Anteil an der Gesamtbevölkerung haben die Indigenen in Brasilien kaum eine Stimme.

Ein an die Realität angepasstes Bildungswesen und wirtschaftliche Einkommensmöglichkeiten stehen weiters auf der Agenda der FOIRN. Viel politisches Engagement ist vom neuen FOIRN-Vorstand gefordert, um vom Bildungsministerium und der Gemeinde Lehrpläne anerkannt zu bekommen sowie ein höheres Bildungswesen einzurichten. Parallel steigt das wirtschaftliche Interesse von außen an der Region, die Gold, Niobium (verbessert die Schweißbarkeit von Stahl) und Tantalit (ebenfalls Metall für die Herstellung von harten, hitzebeständigen Legierungen) vorzuweisen hat. Die Indigenen selbst planen im Bereich Holz und der Palmenfaser Piaçava Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.

Auch wenn Brasilien heute zur fünftgrößten Volkswirtschaft zählt, gibt es keine Förderungen für indigene Gebiete auf nationalem Niveau. Eine Partnerschaft wie die der Klimabündnis Gemeinden und Länder mit der indigenen Organisation kann zumindest einen Beitrag für den kontinuierlichen Kampf der Indigenen leisten und kleinere Maßnahmen, aktuell im Bereich Bildung, begleiten.

Alles Walzer im grünen Ozean und wie die Tiere den Wald retteten

28/03/2013

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Stellen Sie sich einen schönen dichten Regenwald vor. Dort leben in einem kleinen Dorf mehrere indigene Familien. Außerdem sind dort ein Affe, ein Gürteltier und ein Tapir zu Hause. Eine Gruppe von Holzfällern kommt mit Motorsägen in den Wald und sucht nach Edelhölzern. Sie fällen Bäume, manche davon sind schon 300 Jahre alt. Alle Bäume sind eng durch Lianen und Pflanzen verstrickt und bilden ein dichtes Grün. Der Waldgeist Curupira macht sich große Sorgen als er die Holzfäller sieht. Nachdem sie am Abend nach Hause gegangen sind, ruft er den Affen, das Gürteltier und den Tapir zu einer Versammlung. Die Tiere sind auch nachdenklich und sprechen zu Curupira: „es ist nicht gut, was hier passiert.“ Curupira und die Tiere beschließen zusammen zu helfen. Als am nächsten Tag die Holzfäller wieder kommen, tritt Curupira vor sie und die Tiere stimmen zu einem lauten Kreischen an. Die Holzfäller erschrecken fürchterlich und ergreifen die Flucht. Curupira und die Tiere konnten so den Wald und das Zuhause der Familien retten.

Diese Geschichte erlebten wir im Freilufttheater der Schule Pamaalí, aufgeführt von den SchülerInnen. Diese indigene Vorreiterschule unterrichtet seit 13 Jahren ein alternatives Bildungsmodell. Gelehrt wird auf der eigenen Sprache und es gibt viel praktischen Unterricht in Fischzucht und Landwirtschaft. Detaillierte Informationen können Sie demnächst in der Klimabündnis Zeitschrift 01/2013 lesen.

Wir waren sehr von den Aktivitäten der Schule beeindruckt. Um auch ein bisschen von unserer Kultur mit unseren Gastgebern zu teilen, forderten wir die PartnerInnen zu einer Runde Walzer  „an der schönen blauen Donau“ auf. Ein bisschen Kulturaustausch mitten im Regenwald.

Nachricht mitten aus dem Regenwald

23/03/2013

23. März: Stellen Sie sich vor, wir sitzen mitten im Regenwald umgeben von Flüssen und Primärwald, rund 1 Grad nördlich des Äquators, 1.300 km Luftlinie von Manaus und an der Grenze zu Kolumbien und schicken eine Nachricht über den Blog nach Österreich – über 10.000 km Entfernung.

Bis auf ein paar unangenehm juckende Stiche diverser Stechmücken und etwas Unwohlsein aufgrund ungewohnter Lebensmittel geht es uns ausgezeichnet. Wir lernen viel! In dieser Region der Baniwa haben auf 53 km Wegen durch den Regenwald in 7 Dörfern Erhebungen stattgefunden. Dabei konnten über 325 „Gärten“ der Indigenen festgestellt werden. Dort werden nicht nur Lebensmittel, sondern auch Heilpflanzen kultiviert und geerntet. Über 2.000 Heilpflanzen konnten die Baniwa schon erfassen. Ein sehr großer Wissensschatz der auch von der Pharmaindustrie stark gefragt ist.

Überall wurden wir sehr herzlich von allen DorfbewohnerInnen aufgenommen. Mit allen meinen wir wirklich alle. Am gemeinsamen Frühstück haben alle teilgenommen. Ob beim nächsten Delegationsbesuch vom Rio Negro ein solches Frühstück in einer unserer Gemeinden stattfindet?

PS: Bis Mittwoch sind wir wieder ohne Internet. Weitere Informationen dann nächste Woche.

Ameisensauce zur Reisevorbereitung

21/03/2013

20. März: Morgen Früh geht es mit dem Boot den Rio Negro und weiter den Rio Içana hinauf, wo wir einige Dörfer vom Volk der Baniwa kennen lernen werden. Zuvor durften wir noch lokalen Fisch gewürzt mit einer scharfen Ameisensauce probieren. Schmeckt weniger aufregend, als es klingt. Nur die Fußerl kitzeln ein bisschen am Gaumen. Wer weiß, was uns die nächsten Tage erwartet?

Als zum ersten Mal FOIRN Direktoren nach Österreich reisten, fühlten sie sich als ob sie zum Mond unterwegs wären. Was würde sie erwarten, was würde es zu essen geben… Ähnlich gespannt sind wir nun auf unsere 6-tägige Tour mit dem Boot.

Neben einer Besprechung mit der FOIRN stand heute ein Besuch der lokalen Stadtwerke von São Gabriel da Cachoeira am Programm. Ein absolutes Negativbeispiel, denn der gesamte Strom wird aus einen Diesel/Ethanolgemisch generiert. Jede/r BewohnerIn der Stadt verbraucht rund einen Liter pro Tag um den Strombedarf zu decken. Der Bundesstaat Amazonas hat die Steuern auf Strom erlassen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Projekte mit Solar und Photovoltaik sind bislang noch nicht realisiert. Der Vertreter von Electrobras – des staatlichen Energielieferanten – hätte Interesse an erneuerbaren Energien: Diese Projekte werden zurzeit jedoch vorrangig im Süden und Südosten des Landes realisiert.

Auf unserer Flussreise gibt es kein Handynetz und Internet mehr. Online Zugang gibt es eventuell in der  Schule Pamaali der Völker Baniwa und Coripaco. Demnächst hoffentlich Neuigkeiten von der nördlichen Seite des Äquators, den wir schon morgen queren werden.

Fulminanter Empfang in der FOIRN Zentrale

20/03/2013

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19. März: Unsere siebenköpfige Reisegruppe ist heute Dienstag gut in São Gabriel da Cachoeira am Oberen Rio Negro angekommen. Bereits am Flughafen wurden wir aufs Herzlichste von einigen Vorstandsmitgliedern der Klimabündnis Partnerorganisation FOIRN empfangen. Unter ihnen auch Almerinda, die als erste Frau vergangenen November in das Direktorenteam der Indigenen Organisation gewählt wurde.

Emotionale Botschaft zur Partnerschaft

Am Nachmittag fand ein offizieller Empfang mit den 5 aktuellen Vorstandsmitgliedern und allen VertreterInnen statt, die bereits in Österreich Klimabündnis Gemeinden besucht haben. Der Tradition nach kamen alle zu Wort und schilderten ihre Haltung zur Partnerschaft und ihre Eindrücke, die sie vom Besuch bei uns mitgenommen haben. Maximiliano Menezes, der bereits zweimal in Österreich – siehe Bericht von der Jahreskonferenz 2012 in Hall – war, schloss seine emotionale Rede mit „auch wenn das Leben in Österreich ganz anders ist als bei uns, seid Ihr Teil unseres Kampfes für den Erhalt des Regenwalds und unseres Lebensraums.

Der direkte Austausch zwischen dem Rio Negro und den österreichischen Gemeinden ist den Partnern heute genauso wie vor 20 Jahren ein großes Anliegen. „Unsere gemeinsame Vereinbarung das Klima zu schützen ist ein starker Bund den beide Seiten weiter intensiv verfolgen müssen!“ meint Irineu Laurano Rodrigues abschließend (Delegation nach Österreich im Jahr 2009).

Fische & Menschen

19/03/2013

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19. März: Fische und Menschen sind eng miteinander verwandt. Der Fisch hat es nur noch nicht geschafft Mensch zu werden. So lautet die feste Überzeugung vieler indigener Völker in der Region des Rio Negro. Fisch bildet gemeinsam mit der Maniokwurzel die Nahrungsgrundlage der Menschen.

Über 20 Fangmethoden haben die Völker entwickelt. Viele Fangnetze ähneln Körben die mittels einfacher Holz- und Laubbarrikaden in Richtung der Strömung angebracht werden. Ausgefeiltere Barrikaden fangen die Fische sogar bei ihrer Wanderung über die Stromschnellen. Auch das Fischen mit dem bekannten Pfeilgift Curare hat in dieser Region Tradition. Das zum Beispiel aus Wurzeln gewonnene Gift wird ins Wasser gegeben und betäubt die Fische, die anschließend ganz leicht heraus geschöpft werden können. Das Gift wirkt nur bei Aufnahme über die Blutbahn, nicht aber über den Verdauungstrakt. Der Fisch kann also bedenkenlos genossen werden.

Diese und viele weitere interessante Informationen sind im Amazonas-Museum am Stadtrand von Manaus zu erfahren. Das Museum selbst befindet sich inmitten von Primärregenwald. Wer Glück hat sieht die auf Tafeln abgebildeten Tiere auch gleich live.

Morgen geht es gemeinsam mit Elisabeth Moder und Thomas Vogel von HORIZONT3000 – der Partnerorganisation von Klimabündnis weiter nach São Gabriel da Cachoeira. Die Stadt liegt weiter flussaufwärts am Rio Negro. Dort befinden sich der Sitz der FOIRN und auch unser Ausgangspunkt für den Besuch der indigenen Dörfer am Rio Içana.

Wasserkraft aus dem Amazonasgebiet

18/03/2013

 

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18. März: Mittlerweile ist unsere Reisegruppe komplett. Wir sind auf Johann Kandler und Emil Benesch gestoßen, die beide schon in Brasilien waren. Gemeinsam haben wir die Metropole São Paulo mit ihren 28 Mio. EinwohnerInnen hinter uns gelassen. Rund 1.000 Autos werden hier täglich neu angemeldet! Es gibt ständig Stau, das öffentliche Verkehrssystem ist kaum ausgebaut.

In Manaus angekommen, nutzten wir den Sonntag um das Wasserkraftwerk Balbina, etwa 200 km nördlich der Stadt gelegen, zu besichtigen. Eine immense Fläche von 4.000 km² ist dort mittlerweile aufgestaut. Balbina weist in etwa die Leistung des Kraftwerks Freudenau auf und kann 30% von Manaus’ Strombedarf decken. Weitere Energie wird in Zukunft vom zweitgrößten brasilianischen Staudamm Tucururi kommen. Über 3.000 km soll die Energie von dort bis nach Manaus transportiert werden. Das wäre als ob der an Nord- & Ostsee erzeugte Strom bis ins nördliche Afrika geschickt würde.

Um nach Balbina zu kommen nehmen wir die B 174 die über 2.500 km mitten durch den Urwald bis nach Caracas (Venezuela) führt. Ist eine Straße durch den Urwald einmal gebaut, geht viel ursprünglicher Lebensraum verloren. 20-30 km rechts und links „des Weges“ werden Edelhölzer ausgeschlagen und Besiedlung und Landwirtschaft folgen.

Auf den Spuren der Fußball-WM 2014

Brasilien wird immer mehr zum Land der Superlative. Die mittlerweile fünftgrößte Volkswirtschaft der Erde sieht den Bau von 48 weiteren Megastaudämmen bis Ende 2020 mit einer Leistung von bis zu 42.000 MW vor. Die Energie kommt zu besonders günstigen Konditionen vor allem den exportorientierten Unternehmen zugute (Bauxitschmelzen, großflächige Landwirtschaft). Privatpersonen zahlen ein Vielfaches des Preises.

Übrigens, das Stadion für die Fußball WM 2014 in Manaus ist schon im Bau. Für nur drei Spiele werden Unsummen an Geld investiert (und das in einer Stadt, in der 20% der Haushalte einen Anschluss an das Abwassersystem haben). Lesenswerter Artikel im Tagesspiegel.

Regenwald und Indigene in Brasilien

17/03/2013

17. März: Das Instituto Socioambiental (ISA) begleitet viele Projekte von Indigenen in Brasilien. Darunter zum Beispiel in der Region des Xingu – bekannt geworden durch das Belo Monte Megakraftwerk. Aber auch die Klimabündnis Partner FOIRN erhalten fachliche Unterstützung.

Ein großes Aufgabengebiet des ISA ist die Kartierung des Amazonasgebiets. Dazu gehört die Erfassung von Gebieten in denen vorrangig Indigene leben, Flächen die unter Naturschutz stehen und Flächen, die bereits gerodet sind. Eine sehr umfassende aktuelle Publikation zeigt bereits verlorene Regenwaldflächen und weist auf geplante Projekte hinDownload hier (Publikation auf Spanisch). In Brasilien geht der Regenwald nach wie vor hauptsächlich für Viehweiden und den großflächigen Anbau von Soja und Zuckerrohr (Verarbeitung für Viehfutter und Ethanol) verloren. In Ecuador zum Beispiel ist hingegen die Erdölförderung ausschlaggebend. In jedem Fall tragen wir in Europa zur Zerstörung bei. Fast die Hälfte des brasilianischen Soja wird exportiert und landet in den Mägen unserer Rinder und Schweine in der Massentierhaltung.

In Brasilien werden aktuell 230 indigene Gruppen gezählt. 70% dieser Ethnien haben unter 1.000 VertreterInnen. Insgesamt leben rund 700.000 Indigene in Brasilien.

Reise an den Rio Negro

15/03/2013

15. März: Seit 20 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Klimabündnis Gemeinden und Bundesländern mit der indigenen Organisation FOIRN. Ein guter Anlass, um die Partner auch einmal vor Ort zu besuchen. Eine Delegation vom Klimabündnis ist nach Brasilien unterwegs, um die Region am Oberen Rio Negro kennen zu lernen und aktuelle Anliegen der PartnerInnen zu besprechen.

Klimabündnis Österreich Geschäftsführer Peter Molnar, Regionalstellenleiter Fritz Hofer aus der Steiermark und Brigitte Drabeck – zuständig für Klimagerechtigkeit – reisten am Donnerstagabend bei leichtem Schneefall in Wien ab. In Sao Paulo erwarten uns knapp über 20 Grad Celsius. Die Metropole dient als kurzer Zwischenstopp. Dort findet ein Treffen mit dem Instituto Socioambiental statt, das in ganz Brasilien tätig ist und die FOIRN bei vielen Projekten mit fachlichem KnowHow unterstützt. Bald mehr aus der Millionen Stadt.