Archive for the ‘UN-Klimakonferenzen’ Category

Schwimmen und dann wedeln

09/12/2010

von Christian Finger aus Cancún

Jetzt sind die MinisterInnen am Zug. Eröffnet wurde die finale Phase der Verhandlungen mit einer festlichen Eröffnungszeremonie, auf den COPs „High Level Segment“ genannt. In den Ansprachen von Christiana Figueres, der Leiterin des UNFCCC-Sekretariats, Ban Ki-moon, dem Generalsekretär der UNO, und Felipe Calderón, dem Präsidenten Mexikos, wird an die VerhandlungsteilnehmerInnen appelliert, staatliche Einzelinteressen hintanzustellen, um die Konferenz doch noch zu einem (halbwegs) erfolgreichen Ergebnis zu führen.

Ich verfolge den Festakt in einem Plenarsaal im Azteka über eine Großleinwand. Dass jetzt die entscheidende Phase der Verhandlungen beginnt, ist auch an den unzähligen Kamerateams im Konferenzgelände zu bemerken.

Es ist auch mein letzter Tag auf der Konferenz, denn am Donnerstag geht es zurück nach Österreich. Eine große Herausforderung ist noch die Sichtung der vielen Unterlagen, die ich gesammelt habe. Da muss ich noch eine Auswahl treffen, alles kann ich beim besten Willen nicht mitnehmen – auch wenn so viele interessante Hintergrundinfos dabei sind. Eventuell werden ich auch noch in der Karibik schwimmen gehen, was mir ja bis jetzt noch nicht gelungen ist.

Bleibt noch die Frage: Was nimmt man mit von Cancún?

Die COP hat mir einen Einblick in die Vielschichtigkeit der internationalen Klimapolitik gegeben. Noch wichtiger ist mir aber die Erkenntnis, dass Menschen verschiedenster Nationalitäten freundlich, ja freundschaftlich gemeinsam ein Anliegen verfolgen können, wohl wissend, dass sich auf solchen Konferenzen großteils Eliten treffen. Außerdem noch, dass der Klimawandel für viele Regionen der Welt schon derzeit dramatische Folgen hat und das Thema Adaption in meiner Bildungs- und Informationsarbeit in Zukunft einen noch größeren Stellenwert bekommen wird.

An meinem letzten Tag besuche ich auch noch ein Side-Event, in dem Jugend- und Bildungsprojekte aus Ländern wie z.B. Haiti vorgestellt werden. Von VertreterInnen der UNO wird die entscheidende Funktion von Bildungsprojekten zum Thema Klimawandel betont. Auch das zeigt, dass die Arbeit des Klimabündnis an und mit Schulen richtig und wichtig ist.

Und……. ich freue mich auf das verschneite Kärnten und die ersten Schwünge im Tiefschnee.

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Sir Nicholas Stern als positive Abwechslung

08/12/2010

von Christian Finger aus Cancún

Die Erwartungen waren bereits vor der Klimakonferenz nicht hoch. Leider hat sich das in der ersten Verhandlungswoche bestätigt. Ziel sollte es weiterhin sein, dass – vor allem – die Industriestaaten den Weg für eine zweite Verpflichtungsperiode für das Kyotoprotokoll ebnen. In Durban (Südafrika) muss es nächstes Jahr bei der COP 17 gelingen, dieses Protokoll zu beschließen, ohne dass ein Industrieland ausschert. Hier in Cancún wäre es als Erfolg zu werten, wenn verbindliche Regelungen zu Themen wie Technologietransfer und REDD+ beschlossen werden könnten. 

Die Woche beginnt trotzdem mit einem absoluten Höhepunkt. Sir Nicholas Stern zeichnet mit klaren und einfachen Worten den Weg in eine „Low carbon economic“. Und hebt sich bei seiner Rede wohltuend vom hier (jetzt etwas zynisch formuliert)  üblichen „COP-Slang“ ab. Auf die Fragen nach dem größten Hindernis zur Umsetzung  dieser Strategien  antwortet er, dass die Politik vor dem dafür radikal notwenigen Strukturwandel zurückscheut. Als Beispiel führt er das plötzliche Verschwinden der Walfang-Industrie in Amerika nach Einführung des Petroleums an.

Bei einem Side-Event wird von VertreterInnen aus Westafrika auch die finanzielle Bedeutung von REDD+ gerade für afrikanische Länder betont. Afrika habe bei der Umsetzung von Projekten im Rahmen der flexiblen Mechanismen wie CDM kaum Erfolg gehabt. In diesem von viel Humor geprägten Side-Event wird auch der Vorschlag gemacht, CDM in China-Development-Mechanismus umzubenennen. Richard aus Uganda, mit dem ich nachher länger diskutiert habe, betont, dass REDD+ nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Finanzmittel zu wesentlichen Teilen der Bevölkerung zugute kommt. In Uganda ist Brennholz für viele Menschen die einzige Energie- und oft auch Einkommensquelle. Nur wenn den Menschen Alternativen angeboten werden, kann durch REDD+ Entwaldung eingedämmt werden.

Die im Programm angeführte Versammlung der Indigenen im „Climate Change Village„, einem Ausstellungspark in der Stadt für die Bevölkerung Cancúns, findet leider nicht statt. Trotzdem genieße ich den Besuch, da man unter „normalen“ Menschen  eine Idee von der Leichtigkeit der mexikanischen  Lebensweise bekommen kann.

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VON AWB-LCA über SBSTA bis MAI

05/12/2010

von Christian Finger aus Cancún

Die erste Woche der  Konferenz ist vorbei. Nächste Woche wird auf Minister-Ebene versucht, auf Grund der von den Expertenteams der Delegationen vorbereiteten Dokumente, konkrete Ergebnisse auszuverhandeln.

Im großen Plenarsaal  der Konferenz nehmen die VertreterInnen der einzelnen Delegationen zu den Verhandlungsergebnissen, die in der AWG-LCA in der ersten Woche erarbeitet wurden, Stellung. AWG-LCA ist einer der vielen gebräuchlichen Abkürzungen auf der Konferenz (z.B. COP, CMP, SBSTA, SIB, AWG-KP, NAMA und viele mehr) und steht für Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperativ Action under the Convention.

Nach anfänglich nur sehr höflichen und diplomatischen Wortmeldungen durchbricht der Vertreter Boliviens die anscheinend vorherrschende Zufriedenheit mit den Ergebnissen und erklärt, dass das bisherige Ergebnis nicht den Vorstellungen der Entwicklungsländer entspricht. Von  den Industrieländern werden verbindliche Reduktionsziele der GHG-Emissionen nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls gefordert (CAN – das Climate Action Network – fordert die Reduktion von 40 % bis 2020, um das 2°C Ziel nicht zu gefährden), weiters muss das Thema Adaptionsmaßnahen vor allem für „Developing Countries“   mit der dafür notwendigen Finanzierung durch die Industrieländer in den Verhandlungen forciert werden.

Es ist die erste Wortmeldung, der ein Applaus folgt, auffallend  ist auch die Geschlossenheit, mit der die „Developing Countries“ im Plenarsaal auftreten. Bei einem Side-Event der MAI, Mountain Alliance Iniative, fordern unter Leitung des Umweltministers Nepals Vertreter aus Nepal, Peru, Uganda und Tadschikistan die stärkere Berücksichtigung der vom Klimawandel verursachten Probleme der Bergregionen in den Verhandlungen. Der Vertreter Tadschikistans erklärt, dass der dramatische Gletscherschwund die Ernährungssicherheit in Zentralasien gefährdet, da auf Grund des kontinentalen Klimas die Landwirtschaft ausschließlich auf die Bewässerung durch Fluss-Systeme angewiesen ist. In der  MAI, die auf internationaler Ebene Länder mit Berg-Regionen vernetzt, sind  die Schweiz und Italien vertreten, Österreich leider nicht. 

Nach einem langen Tag geht es zurück zum Hotel und ich flüchte sofort in den kleinen Convenience-Store, dem einzigen Platz in dieser Gegend mit „normalen“ Dimensionen, um abseits des Konferenz-Betriebes in Ruhe einen Cafe zu trinken.

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REDD und die einfachste Lösung

04/12/2010

von Christian Finger aus Cancún

Die Verhandlungen  werden intensiver, zumindest sieht man im Konferenzgelände immer öfters Gruppen, in denen intensiv diskutiert wird. Aber es gibt auch noch ruhige Plätze, an die man sich zurückziehen kann, wenn man etwas Ruhe und – was für mich besonders wichtig ist – einen Cafe trinken will.

Beim Blick auf die Karibik kann man dann Boote des Militärs beobachten. Am Nachmittag habe ich einen Side Event der COICA, unserer Partnerorganisation in Südamerika besucht. Getroffen und geplaudert habe ich mit dem Koordinator der COICA, Edvin. Inhaltlich wurden beim Side Event die Positionen und Forderungen der Indigenen zum REED+ Prozess erläutert. Dabei wurde die Anerkennung der traditionellen Waldbewirtschaftung als wohl wesentlichster Beitrag zur Regenwalderhaltung in den Verhandlungen und auch deren Festlegung in den Dokumenten eingefordert. Außerdem fordert die COICA,  dass alle Reglements, die auch Gebiete der Indigenen betreffen, nur mit deren ausdrücklicher Zustimmung getroffen werden. Weiters wird die rechtliche Anerkennung der traditionellen Institutionen und deren Entscheidungen sowie des Gemeinschaftseigentums der Indigenen an den Regenwaldgebieten eingefordert – ohne dass es dafür wieder eigener Eigentumstitel bedarf.

Sehr impulsiv war die letzte Wortmeldung eines Vertreters der COICA, der REED als typisches Konzept des Nordens ablehnte und meinte, dass die einfachste Lösung zum Erhalt der Regenwälder auf der Hand liegt: „ Eine  Bewirtschaftung der Wälder in den Traditionen und der Spiritualität der indigenen Völker sowie das Verbot jeglicher kommerzieller Aktivitäten Dritter ohne deren Zustimmung.“

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Mein großer Auftritt mit der UN-Klimachefin

03/12/2010

von Christian Finger aus Cancún

gestern bin ich doch mit einiger Nervosität – und nach leichtem Schlaf – aufgestanden. Immerhin es war der „große Tag“ für mich auf der Konferenz. Ich hatte den Auftrag und die Ehre, die von Kindern aus 10 Ländern Europas gesammelten 2.660.251 Kindermeilen an Christiana Figueres, zu übergeben. Sie ist nichts weniger als die Leiterin des UNFCCC-Sekretariates, kurz also „UN-Klimachefin“ – solche Leute trifft man auch nicht jeden Tag.

Und da ich schon in unzähligen Schulen Workshops – oft auch zum Thema Kindermeilen – gemacht habe, weiß ich, mit welcher Begeisterung und Anteilnahme Kinder an der Aktion teilnehmen. Das ist dann schon ein Auftrag. Nachdem ich das Plakat vorbereitet hatte, fuhr ich mit dem Bus in die Cancún-Messe, und von dort zum Moon Palace Hotel. Die Übergabe war für 14 Uhr im Expo-Center mit dem klingenden Namen Azteka vereinbart. Johannes Wahlmüller von Global 2000 (bei dem ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte und seinen Blog empfehle) übernahm die Rolle des Fotografen. Mit Warren Waetford, einem Assistent von Christiana Figueres wurde knapp vor der Übergabe noch der Ablauf besprochen und dann war es soweit. Die UN-KIimachefin kam und nahm mir mit ihrer ungezwungenen Art und natürlich auch mir ihrem perfekten Deutsch alle Nervosität.

Ich überreichte ihr die Kindermeilen und erklärte ihr den Ablauf der Kampagne. Nachdem ich ihr den Brief eines Kindergartens aus Deutschland an die PräsidentInnen der Konferenz zeigte, war sie davon so angetan, dass sie sich nach der Adresse des Kindergartens erkundigte, um sich bei den Kindern mit einem persönlich Brief zu bedanken.

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Eine Herausforderung war dann die Konvertierung und Übermittlung der Bilder nach Deutschland und Österreich. Probleme mit der Internetverbindung gibt es hier leider ständig. Immerhin blieb mir noch etwas Zeit für ein Treffen der VertreterInnen der Indigenen Völker. Das Thema der Diskussion war für mich hoch interessant. Besonders ein Hinweis einer Vertreterin hat mir gefallen: Sie will, dass der in allen indigenen Kulturen wesentliche Begriff „Mother Earth“ in die offiziellen Dokumente und Texte der Verhandlungen aufgenommen wird.

Das Moon Palace Hotel

02/12/2010

von Christian Finger aus Cancún

Heute habe ich das erste Mal das Moon Palace Hotel besucht, den Ort der eigentlichen Verhandlungen. Auf dem Weg dorthin fällt wieder die schwere Bewachung auf. Hinter Absperrungen stehen DemonstrantInnen, denen der Zutritt zum Konferenzgelände verweigert wird. Das Moon Palace ist ein großer, weiträumig angelegter Hotelkomplex entlang der Karibik-Küste.

Die Atmosphäre ist im Vergleich zur Cancun-Messe hektischer und es geht auch viel formaler zu. Schon die Aula der Hotels will durch Luxus beeindrucken, aber irgendwie wirkt hier alles steril. Da ich für die Übergabe der Kindermeilen die Location erkunden will, gehe ich zu Fuß durch die Hotelanlage zum Pressezentrum und bin erstaunt, dass es Zimmernummern wie 1622 gibt. Aber wenn man das Zentrum des Geschehens verlässt, wird  es schnell still und man kann sich wieder auf Dinge wir tropische Pflanzen oder bunte Vogel konzentrieren. Eine Tafel am Wegrand warnt davor, die im Hotelbereich liegenden Krokodile zu füttern.

Nach einem sehr angenehmen Spaziergang besuche ich eine Sitzung der österreichischen Delegation unter der Leitung von Dr. Helmut Hojesky vom Lebensministerium. Das Gehörte lässt erahnen, wie komplex die zu führenden Verhandlungen sind. Neben den inhaltlichen Fragen gilt es vor allem auch das Procedere abzuklären – und das bei VerhandlungsteilnehmerInnen mit verschiedenen Sprachen aus verschiedensten Ländern mit auch sehr unterschiedlichen Rechtskulturen. Klingt nicht leicht, ist es auch nicht.

Zurück in der Cancún-Messe besuche ich den Stand des Climate Action Network, wo täglich das „Fossil of the Day“ prämiert wird. Eine Negativauszeichnung  für Länder auf dem Weg  zu einem positiven Verhandlungsverlauf. Das ist sozusagen schon eine Tradition bei den Klimakonferenzen. Canada und Japan haben heuer diese unehrenhafte Ehre. Österreich hat diesen Preis leider auch schon erhalten – im Vorjahr in Kopenhagen.

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Zwei Side-Events zum Start

30/11/2010

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Christian Finger aus Cancún.

Die 16. UN-Klimakonferenz in Cancún hat offiziell begonnen. Und das merkt man schon beim Frühstück. Die Delegierten, die an den Verhandlungen teilnehmen, sind schon zeitig auf und frühstücken hektisch, damit sie bereits mit den ersten Bussen zur Konferenz fahren können. Auch äußerlich hat sich viel verändert. Gestern noch locker gekleidet, dominiert jetzt der typische grau-schwarze Business-Look. Für wohltuende Abwechslung sorgen vor allem Frauen aus Afrika in tollen, festlich bunten Kleidern.

Die eigentliche Eröffnung findet im Moon Palace Hotel statt. Aber auch in der Cancun-Messe füllen sich die Hallen. Dort sind viele NGOs mit kleinen Messeständen vertreten und in den Vortragsräumen können bei so genannten Side-Events NGOs und andere Organisationen, die nicht an den eigentlichen Verhandlungen teilnehmen, Vorträge, Diskussionen und Events durchführen und besuchen. Auch die von einigen Ländern organisierten Ausstellungen werden eröffnet. Brasilien ist mit einer beeindruckenden Regenwaldausstellung vertreten, in der neben vielen Exponaten auch hoch interessante Computeranimationen mit Satellitenaufnahmen und den dazugehörigen Auswertungsmöglichkeiten gezeigt werden.

Für den Anfang habe ich beschlossen, zwei Side-Events zu besuchen. Beim Side-Event zum Thema REDD+ unter Gender-Aspekten werden Chancen und Risken des zu verhandelnden REDD+ Mechanismus diskutiert. Ganz einhellig wird vor allem gefordert, dass die Finanzmittel auch direkt den indigenen Menschen zugute kommen müssen und dass in deren traditionelle Bewirtschaftungsrechte nicht eingegriffen werden darf. Es wird aber auch erwähnt, dass ein sinnvoll geregelter REDD+ Mechanismus die Chance sein könnte, den Indigenen endlich die Anerkennung ihrer traditionellen Rechte zu verschaffen. Eine Vertreterin der COICA aus Surinam fordert eine viel stärkere Einbindung und Information der Indigenen beim Verhandlungsprozess.

In einem sehr sachlichen und auch trockenen Side-Event im EU-Pavillon wird über die Durchführung von CDM-Projekten und deren Verbesserungsmöglichkeiten gesprochen. Ein sehr interessanter Einwand zu den CDM-Projekten kam von einem indischen Teilnehmer, der anführte, dass auf Grund der sehr kostspieligen und komplexen Vorbereitung von CDM Projekten kleine und regionale Projekte kaum Chancen auf Umsetzung haben.

Mein erster Tag in Cancún

29/11/2010

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Christian Finger aus Cancún.

Raus aus dem Schnee und rein in die Karibik. Vom tief verschneiten Kärnten ging es am Samstag um die halbe Welt in die Karibik nach Cancún. Dorthin, wo ab Montag auf internationaler Ebene die Zukunft der Klimapolitik verhandelt wird. Beim Flug von Houston nach Cancún ist die Klimakonferenz erstmals für die Passagiere ein Thema. Auf allen Sitzen liegen Folder auf, die – schön illustriert – beschreiben, wie die Fluglinien in Zukunft ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten wollen. Die aufgelisteten Maßnahmen wie effiziente Triebwerke und Optimierung der Verbindungen, dürften aber nicht wirklich das Potential für eine wesentliche Reduktion der vom Flugverkehr verursachten Emissionen haben…

Auf der nächtlichen Busfahrt ins Hotel plaudern dann neben mir eine junge Japanieren und ein US-Amerikaner angeregt über die bevorstehende Koferenz. Als ich ihnen erzähle, dass ich gerade aus den verschneiten Alpen in Österreich komme, sind sie regelrecht begeistert. In Cancún angekommen, merkt man dann schnell , wo man sich befindet: in einer künstlichen „Badewelt“ für TouristInnen. Monströse Hotels und Anlagen, denen jeglicher natürlicher Flair fehlt.

Am nächsten Morgen tut dann erstmals Orientierung Not – denn der Weg zum Konferenzzentrum ist lange. Vorbei an schwer bewaffneten Einheiten des mexikanischen Militärs geht es dann rasch. Früh aufstehen hat sich ausgezahlt, die Wartezeit zur Registrierung ist kurz. Ich schlender das erste Mal durch die noch leeren Hallen mit den Messeständen der Organisationen. Auffallend viele NGOs aus aller Welt sind vertreten. Mit einem der unzähligen Shuttle-Busse geht es wieder zurück ins Hotel. Im Bus trifft man übrigens die halbe Welt. Ab Montag geht es dann auch inhaltlich richtig zur Sache.

Christian Finger berichtet vom Klimagipfel in Cancún

26/11/2010

Am 29. November startet die Klimakonferenz in Cancún (Mexiko). Das Klimabündnis Österreich wird auch heuer wieder vor Ort vertreten sein und berichten. Christian Finger verfolgt die Verhandlungen im Konferenzgebäude und schreibt im hier Klimabündnis-Blog über seine Eindrücke. Finger ist als Vertreter der AG Globale Verantwortung Mitglied der Österreich-Delegation. Er ist seit 2002 Mitarbeiter des Klimabündnis Kärnten – einerseits als kommunaler Klimaschutz-Experte, andererseits aber auch als Kenner globaler Zusammenhänge. Zuletzt war er in China als Referent der NGO-Szene für Nachhaltige Entwicklung tätig.

(Regen)wald-Erhaltung und Übergabe der Kindermeilen

„Die Basis ist Klimaschutz-Themen gegenüber schon sehr aufgeschlossen. Das sehen und merken wir in unserer täglichen Arbeit mit den über 890 Klimabündnis-Gemeinden in Österreich. Jetzt wird es Zeit, dass auch auf globaler Ebene die notwendigen Strukturen geschaffen werden. Die Erwartungen an die Klimakonferenz sind nicht sehr hoch, genau das kann aber auch eine Chance sein“, so Christian Finger. Das Klimabündnis wird in Cancún vor allem die Verhandlungen in einem Bereich genau beobachten, kritisieren und analysieren: die REDD-Zertifikate (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) und damit den Erhalt des (Regen)waldes. Finger: „Das Klimabündnis fungiert gemeinsam mit seinen Indigenen PartnerInnen als Brückenbauer.“ Eine klare Botschaft senden auch die jüngsten Mitglieder im Klimabündnis. Im Rahmen der europaweiten Kindermeilen-Kampagne sammelten SchülerInnen aus 10 Ländern über 2.000.000 Klimameilen mit klimafreundlichen Kindergarten- und Schulwegen. Diese wird Christian Finger am 1. Dezember an die Leiterin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, übergeben: „Wir zeigen damit, dass die, die von den Klimaverhandlungen am meisten betroffen sind, schon jetzt aktiv sind. Sie sollten die Vorbilder für die Klimakonferenz sein.“

Datenfehler des UN-Weltklimarates (IPPC)

25/01/2010

    

Kommentar von Wolfgang Mehl

Der Datenfehler der IPCC schlug medial hohe Wellen (siehe Kurier-Artikel). Und in diesem Fall stimmt es leider, dass ein Fehler passiert ist. Man hat offensichtlich eine ältere Studie übernommen und sich bei der Jahreszahl um einen 10er-Faktor geirrt.  

 Sollte nicht passieren, aber wo Menschen arbeiten passieren eben Fehler.  

 Auch wenn dieser Fehler natürlich von den KlimaskeptikerInnen und manchen LobbyistInnen intensiv ausgenutzt wird, bedeutet ein Fehler keineswegs, dass alle Forschungsergebnisse, die mehrere Tausende Forscher in den letzten zehn Jahren zusammengestellt haben, auch falsch sind.  

  Zur IPCC-Arbeit ist in diesem Zusammenhang grundsätzlich festzustellen, dass alle Veröffentlichungen ein Kompromiss aus mehreren tausenden Einzelmeinungen und Ergebnissen sind – nicht ohne politischen Einfluss.   Man kann derzeit mit Sicherheit sagen, dass es eine bedeutende Gruppe KlimaforscherInnen gibt, die davon ausgehen, dass die IPCC-Prognosen insgesamt zu optimistisch sind und die Lage zu positiv darstellen. 

 Alle bis jetzt gemessenen Werte liegen über dem schlechtesten IPCCC (worst case)-Szenario.  Deswegen auch die sich immer stärker durchsetzende Meinung, dass 400-450 ppm Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre bereits deutlich zu hoch sind und als Ziel 350 ppm festgelegt werden müssten.   Auch dass, um unkontrollierbare Effekte mit größerer Wahrscheinlichkeit ausschließen zu können, 1,5 – max. 1,8 Grad über vorindustrieller globaler Durchschnittstemperatur notwendig wären (statt plus 2 Grad), setzt sich immer mehr durch.  Die derzeitige Klimapolitik zielt auf plus 4 Grad.     Schließlich muss auch festgehalten werden, dass die Klimaforschung trotz allem ausschließlich in Szenarien und Wahrscheinlichkeiten arbeitet, viele (Rück)Kopplungen sind kaum darstellbar und grosse Risken der Prognosen bleiben.    Das sind aber alles Argumente, die aus dem Vorbeugeprinzip heraus zeigen, wie wichtig es ist, rasch zu handeln.