Auf der Anreise – zwischen Käse und Amazonas-Regenwald

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Die Reise ist eine gute Gelegenheit wieder einmal näher hinzusehen. Ich beginne gleich damit und lese, dass der vom freundlichen Flugpersonal servierte Traditionskäse aus Holland, seit 400 Jahren an gleichem Ort und Stelle aus der Milch holländischer Kühe gemacht wird. Im Kleingedruckten scheint bei der Zutatenliste Annato auf. Annato oder Urucum, wie sie in Brasilien genannt wird: Ist das nicht jene Pflanze, die von den indigenen Völkern Amazoniens seit jeher angebaut und zur roten Bemalung der Haut verwendet wird? Der gute holländische Traditionskäse hat seine schöne holländische Farbe also von einer tropischen Pflanze aus dem Regenwald. Er verdankt seine Farbe indigenen Völkern, denen immer wieder vorgeworfen wird, sie würden der Entwicklung im Weg stehen.

Philharmoniker – Erdäpfel – Orangensaft

Kann es sein, dass indigene Völker ganz im Gegenteil unbedankte Entwicklungshelfer sind? Spielen klassische Orchester wie die Wiener Philharmoniker nicht mit Bögen aus dem Brasil Holz Baum – der Name des Baumes sowie des Landes sind indigenen Ursprungs? Und was bliebe von unserer Küche würden wir jene Zutaten wegdenken, die wir indigenen Völkern Südamerikas verdanken. Nur ein Stichwort: Erdäpfel.

Kurzum: Ehre wem Ehre gebührt. Wäre eigentlich fair, deutlich zu sagen, wem wir dieses Gemüse verdanken. Und wir uns nicht mit fremden Federn schmücken.

Unser Orangensaft in Österreich kommt ja auch aus Brasilien und wächst nicht in Vorarlberg, wie man aufgrund der Verpackungstexte oft glauben könnte.

 

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In den letzten Stunden vor unserer Ankunft in Lima noch ein Wechselbad der Gefühle. Für 2 Stunden sind wir über Amazonien und sehen intakten, zusammenhängenden Regenwald ohne Ende. Ein grünes Meer. Und wir sehen Flüsse, die ungestaut fließen und sich frei ihren Weg suchen können. Wie es der Zufall so will, führt die Route genau über den mittleren Rio Negro. Genau jene Region, aus der Marivelton stammt, und wo er sich namens der FOIRN und mit Unterstützung der Klimabündnis-Gemeinden für eine weitere Ausweisung indigener Gebiete einsetzt. Die FOIRN-Präsidentin Almerinda Ramos und Marivelton berichteten bei ihrem Österreich Besuch vor wenigen Tagen über den Fortgang ihrer Bemühungen.

Nachdenklich macht der Blick, weil wir nah an Sao Gabriel sind, wo zu Wochenbeginn das Wariró Gebäude unserer Partnerorganisation FOIRN und mit ihm ein Kernprojekt der indigenen Bewegung in Flammen aufgegangen ist. 2 Direktoren der FOIRN mussten daraufhin ihre Teilnahme an der Reise nach Peru kurzfristig absagen und stattdessen zu Treffen mit dem Governeur des Bundesstaates Amazonas nach Manaus reisen. Zu besprechen gibt es viel. Bilder einer Überwachungskamera legen nahe, dass das Feuer kein Unfall, sondern Brandstiftung war.

Der großartige Anblick des Flusses Amazonas bringt mich wieder auf bessere Gedanken. Es geht immer weiter. Peru kann kommen.

Für das Klimabündnis Österreich berichtet Emil Benesch im Rahmen des Europe Aid Projektes „From Overconsumption to solidarity“ aus Peru.

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