von Christian Finger aus Cancún
Die erste Woche der Konferenz ist vorbei. Nächste Woche wird auf Minister-Ebene versucht, auf Grund der von den Expertenteams der Delegationen vorbereiteten Dokumente, konkrete Ergebnisse auszuverhandeln.
Im großen Plenarsaal der Konferenz nehmen die VertreterInnen der einzelnen Delegationen zu den Verhandlungsergebnissen, die in der AWG-LCA in der ersten Woche erarbeitet wurden, Stellung. AWG-LCA ist einer der vielen gebräuchlichen Abkürzungen auf der Konferenz (z.B. COP, CMP, SBSTA, SIB, AWG-KP, NAMA und viele mehr) und steht für Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperativ Action under the Convention.
Nach anfänglich nur sehr höflichen und diplomatischen Wortmeldungen durchbricht der Vertreter Boliviens die anscheinend vorherrschende Zufriedenheit mit den Ergebnissen und erklärt, dass das bisherige Ergebnis nicht den Vorstellungen der Entwicklungsländer entspricht. Von den Industrieländern werden verbindliche Reduktionsziele der GHG-Emissionen nach Auslaufen des Kyoto-Protokolls gefordert (CAN – das Climate Action Network – fordert die Reduktion von 40 % bis 2020, um das 2°C Ziel nicht zu gefährden), weiters muss das Thema Adaptionsmaßnahen vor allem für „Developing Countries“ mit der dafür notwendigen Finanzierung durch die Industrieländer in den Verhandlungen forciert werden.
Es ist die erste Wortmeldung, der ein Applaus folgt, auffallend ist auch die Geschlossenheit, mit der die „Developing Countries“ im Plenarsaal auftreten. Bei einem Side-Event der MAI, Mountain Alliance Iniative, fordern unter Leitung des Umweltministers Nepals Vertreter aus Nepal, Peru, Uganda und Tadschikistan die stärkere Berücksichtigung der vom Klimawandel verursachten Probleme der Bergregionen in den Verhandlungen. Der Vertreter Tadschikistans erklärt, dass der dramatische Gletscherschwund die Ernährungssicherheit in Zentralasien gefährdet, da auf Grund des kontinentalen Klimas die Landwirtschaft ausschließlich auf die Bewässerung durch Fluss-Systeme angewiesen ist. In der MAI, die auf internationaler Ebene Länder mit Berg-Regionen vernetzt, sind die Schweiz und Italien vertreten, Österreich leider nicht.
Nach einem langen Tag geht es zurück zum Hotel und ich flüchte sofort in den kleinen Convenience-Store, dem einzigen Platz in dieser Gegend mit „normalen“ Dimensionen, um abseits des Konferenz-Betriebes in Ruhe einen Cafe zu trinken.